Die Tempelritter - Eine Beurteilung aus heutiger Sicht

19. November 2009
Autor: 
Michael Bahr & Jörg Vanselow

Der Templerorden 1120-1314

Deus vult! Gott will es!

Mit diesem Schlachtruf begann im Jahr 1095, mit der berühmten Predigt Papst Urban II. in Clermont eine Bewegung, die das Abendland für immer verändern sollte, die Massen von Menschen bewegte, die fast 500 Jahre und für manche bis heute dauern sollte:

Die Kreuzzüge.

Verstehen können wir Menschen der heutigen Zeit dies Ereignis wohl kaum. 1199, der Beginn des ersten Kreuzzugs, eine Zeit weit vor der Reformation, der Aufklärung, eine Zeit tiefen Glaubens und volkstümlicher Frömmigkeit in Europa. Wie konkret, wie tief in den Alltag hineinwirkend Glaube und Religiosität damals waren, ist uns kaum noch vorstellbar.

Doch erscheinen uns Ereignisse jüngerer Vergangenheit nicht genauso irrational?

Das Christentum hat als historische Religion immer auch einen räumlichen Bezug. Wallfahrten sind für viele auch heute Ausdruck gelebter Religiosität.

Der Zentrale Ort ist das Heilige Land, ist Jerusalem, als der Lebensraum Christi.

Dorthin pilgerten im Mittelalter jährlich tausende Christen aus Europa, als Bußwallfahrt zur Erlangung von Gnade und Vergebung begangener Sünden.

Papst Urban II. rief nun auf, die Pilger vor Übergriffen zu schützen und das Heilige Land aus der Hand der Ungläubigen zu befreien.

Sein Aufruf richtete sich besonders an eine Gruppe: die Ritterschaft.

Vor diesem historischen Hintergrund erfindet ein gewisser

Hugo von Payen eine für Europa neue Gestalt: Den Mönchsritter.

Er verbindet zwei bis dahin unvereinbare ethische Vorstellungen:

Die Ideale des Mönchs und des Ritters, Christentum und Gewalt.

Und Hugo von Payen gibt diesem Mönchsritter auch die Organisation: gemeinsam mit einigen Ritter gründet er die „Miliz der armen Ritter Christi“ bis heute bekannt als der Templerorden. Dieser und andere Ritterorden werden zur Verkörperung des Kreuzzugsgedankens.

Ströme von Tinte sind geflossen, Bibliotheken sind gefüllt mit Literatur über die Geschichte dieses Ritterordens.

Über seine Anfänge ist wenig genaues bekannt, viele Berichte entstehen erst lange nach dieser Zeit.

Die Literatur bezieht sich meist auf Wilhelm von Tyrus (geboren 1130 in Palästina, 1174 Kanzler des Königreichs Jerusalem) der als Gründungsjahr 1118 angibt.

Die Ordensgründung, seine Regeln und Strukturen, die Siege und Niederlagen und vor allem sein Ende sind immer wieder Forschungsgegenstand von Historikern.

Und schon in den Zeiten der Templer im Mittelalter begann, ausgelöst durch ihren sagenhaften Reichtum, ihre Besonderheiten,

besonders aber durch ihr Schicksal nach 1314, eine Mystifizierung, die bis heute anhält und den Templerorden in Romanen und Filmen zum Thema macht.

Wie werden der Templerorden und die Kreuzzüge heute beurteilt und welche Wirkung haben Sie bis in unsere Zeit?

Für viel war das Kreuzzuggelübte mit der Eroberung Jerusalems 1099 erfüllt und die Heimreise konnte angetreten werden.

Etliche jedoch blieben und es entstand das Königreich Jerusalem und weitere Kreuzfahrerstaaten.

Dies war eine Situation, die auch zu einer großen kulturellen Herausforderung wurde. Hier ging es nicht mehr um das himmlische Jerusalem und abstrakte Ungläubige. Nun war es das reale Zusammenleben mit den Muslimen, daß die Kreuzritter zu bewältigen hatten. Angefangen mit sprachlicher Verständigung, einer Diplomatie, die den Gewohnheiten der Region entsprach, man brauchte den Handel, Verträge, kurz: Realpolitik.

Aus den unbedingt zu bekämpfenden Feinden wurden Vertragspartner.

Es entstand Toleranz.

(Übrigens entstand auf Anregung Papst Petrus Venerabilis schon 1144 eine lateinische Übersetzung des Koran)

Und daraus auch Probleme für die Tempelherren. Typisch und oft geschildert ist die Auseinandersetzung zwischen neu ins Land gekommenen Rittern und den länger ansässigen Templern, die gerade einen Waffenstillstand mit einem benachbarten Emir vereinbart hatten und wegen der Kampfeslust der Neuankömmlinge nicht wortbrüchig werden konnten und wollten.

Auch kannte man die Stärken seines Gegners. So galt der Grundsatz nur zu erobern, was man auch halten kann. Das die Templer nach gewonnener Feldschlacht vor den Toren einer Stadt dann halt machten, aus der Erfahrung, daß sie bei einem Kampf in deren Gassen keine Chance hatten oder die Stadt aufgrund ihrer Lage nicht zu halten war, war für viele, besonders in Europa, unverständlich.

Bei aller Nähe und Toleranz: die Templer blieben eine christliche Elitetruppe, aber eben eine ritterliche.

Ritterlichkeit als eine besondere ethische und moralische Geistes- und Lebenshaltung hat sich als sprachlicher Ausdruck und für uns Brüder als deutlich mehr als das, erhalten.

In der Beurteilung der historischen Bedeutung der Kreuzzüge gehen die Urteile weit auseinander. Eine primär materielle Motivation wird von der heutigen Kreuzzugsforschung nicht gesehen. Sicher gab es auch ökonomische Gründe, aber die Kreuzzüge und insbesondere die Templer darauf zu reduzieren, sagt oft mehr über die ideologische Heimat des Bewertenden aus als über historisches Verständnis.

Auch steht eine, nennen wir es Gesinnungsethik, einem historischen Verstehen wollen eher entgegen.

Wir bewerten natürlich als Europäer:

So schreibt der Althistoriker Egon Flaig:

„Wäre Konstantinopel schon 1100 gefallen, dann hätte die enorme militärische Kraft der türkischen Heere Mitteleuropa 400 Jahre früher heimgesucht, dann wäre die vielfältige europäische Kultur wahrscheinlich nicht entstanden: keine freien städtischen Verfassungen, keine Verfassungsdebatten, keine Kathedralen, keine Renaissance, kein Aufschwung der Wissenschaften; denn im islamischen Raum entschwand das freie – griechische! – Denken eben in jener Epoche.

Jacob Burckhadt urteilt: das wir den Kreuzzügen ähnlich viel zu verdanken haben, wie den griechischen Abwehrsiegen gegen die Perser.

Bei der Ausarbeitung dieses Vortrages habe ich bewusst auf die Nutzung des Internet verzichtet.

Lediglich bei der Suche nach Beurteilungen aus dem arabischen Raum war es dann sehr hilfreich – Herr Schäuble hätte seine Freude bei einem Blick in meinen Rechner, die Adressen beinhalten meist Begriffe wie Jihad oder Allhauakbar und sind dankenswerter Weise auch in englischer Sprache verfasst.

Dort findet sich u.a. die These, daß die Kreuzzüge nie aufgehört haben. Aus den Templern wurden nämlich die Freimaurer und diese führen nach wie vor Krieg gegen den Islam, allen voran natürlich unsere Brüder in den USA.