Freimaurer und Hakenkreuz
Br. Peter Voigts, JL.“Am Berge der Schönheit“ i.O. Berlin
Freimaurer und Hakenkreuz
Mein heutiger Einführungsvortrag kann aufgrund des Umfanges und der Komplexität der Zusammenhänge nur oberflächlich und kurz sein, aber dafür hoffentlich ein interessantes Kerzengespräch anregen.
Wir alle wissen, dass die Freimaurerei in fast allen totalitären Staaten, ob nationalsozialistisch, kommunistisch oder islamistisch nicht nur nicht gedul- det, sondern auch verboten war und ist; die einzige Ausnahme ist Cuba. Hierzu muß man wissen, dass Fidel Castro ein genialer Taktierer ist. In Cuba ist die Freimaurerei, historisch betrachtet, seit der Kolonialzeit bis heute tief in der Bevölkerung verwurzelt , etwa jeder 460. Cubaner ist heute Freimaurer, also mehr als zwölfmal mehr als z.B. in Deutschland, durch ein Verbot wäre Castro wahrscheinlich nicht an der Macht geblieben.
Warum aber haben die Freimaurer seit jeher den Zorn der totalitären Macht- haber auf sich gezogen? Die Freimaurerei verbreitete sich am Anfang des 18. Jahrhunderts, also am Beginn der Aufklärung, in ganz Europa, zu einer Zeit der kleinen Nationalstaaten, Königreiche und Fürstentümer, d.h., die Regen- ten kamen an die Macht durch Erbfolge und nicht durch Wahl oder etwa Qua- lifikation. Da das grundsätzliche Gedankengut der Freimaurer von Toleranz, Freiheit, Demokratie und Humanität, d.h. auch von Pazifismus geprägt ist, mußte diese Einstellung logischerweise auf Mißtrauen und Widerstand bei den Machthabern stoßen. Nachdem einzelne Staaten am Beginn des 18. Jahrhunderts die Freimaurerei verboten hatten, sorgte Papst Clemens XII 1738 mit seinem Bann gegen die Freimaurerei und der Aufforderung an alle Regierenden, diese zu verbieten, für eine gewisse Verfolgung der Freimaurer.
Dieser Widerstand der katholischen Kirche gegen die Freimaurerei besteht bis heute.
Die Argumentation der Nationalsozialisten geht hier jedoch noch viel weiter, inspiriert vom General Erich Ludendorff hat Adolf Hitler selbst in seinem Buch „Mein Kampf“ postuliert, dass die Freimaurerei dem Judentum verfallen sei, und diese durch ihre weltweite Verflechtung ein vorzügliches Instrument sei, die Ziele des Judentums zu erreichen. Er sagt: „Die Kreise der Regierenden sowie die höheren Schichten des politischen und wirtschaftlichen Bürgertums gelangen durch maurerische Fäden in seine Schlingen, ohne dass sie es auch nur zu ahnen brauchen,.... sein Endziel in diesem Stadium aber ist der Sieg der Demokratie oder, wie er es versteht: die Herrschaft des Parlamenta- rismus. Sie entspricht am meisten seinen Bedürfnissen; schaltet sie doch die Persönlichkeit aus – und setzt an ihre Stelle die Majorität der Dummheit, Un- fähigkeit und nicht zum letzten die Feigheit.“
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Weiterhin schreibt er über Italien: „Der Kampf, den das faschistische Italien gegen die drei Hauptwaffen des Judentums, bewußt durchführt, ist das beste Anzeichen dafür, dass, wenn auch auf indirektem Wege, dieser überstaat- lichen Macht die Giftzähne ausgebrochen werden. Das Verbot der freimaurerischen Geheimgesellschaften, die Verfolgung der internationalen Presse sowie der dauernde Abbruch des internationalen Marxismus und umgekehrt die stete Festigung der faschistischen Staatsauffassung werden im Laufe der Jahre die italienische Regierung immer mehr den Interessen des italienischen Volkes dienen lassen können, ohne Rücksicht auf das Gezische der jüdischen Welthydra.“ Diese völlig unlogischen Zusammen- hänge bedürfen keiner Kommentierung, machen aber auch sehr deutlich, wie Hitler mit vermeintlichen Gegnern umgehen wollte und dann auch später tat. Obwohl das Werk millionenfach aufgelegt und verteilt wurde, kannten offen- sichtlich nur wenige den Inhalt.
Erich Ludendorff muß wohl als Vordenker der Nationalsozialisten in puncto Freimaurerei gesehen werden. Er lebte von 1865 bis 1937, war General und Politiker, war im 1.Weltkrieg Stellvertreter von Hindenburg. Zur Zeit der Weimarer Republik betätigte er sich in der völkischen Bewegung, nahm 1923 am Hitlerputsch teil, war Reichstagsabgeordneter der Nationalsozialistischen Freiheitspartei und Mitbegründer des Tannenbergbundes. Er machte im 1. Weltkrieg schnell Karriere, verlor jedoch zum Ende des Krieges an Einfluß, da er nicht erfolgreich war. Nach dem Krieg entwickelte er zunehmend irgendwelche Verschwörungstheorien, an denen seine zweite Ehefrau Mathilde nicht unbeteiligt war. Sein politischer Einfluß schrumpfte zusehens und endete in einer Gegnerschaft zu Hitler, nur sein hohes Ansehen als General sorgte dafür, dass er nicht interniert wurde.
1925 fiel er bei der Wahl zum Reichspräsidenten mit 1,1% jämmerlich durch und beendete daraufhin seine Politikerlaufbahn. Sein Scheitern begründete er mit dem „Wirken überstaatlicher Mächte“, womit der Jesuitenorden, die Freimaurerei, das Judentum und die kommunistische Internationale gemeint hatte. Diese hätten sich zusammengetan, um Deutschland zu demütigen und zu knechten. Ihr Ziel sei schließlich die Weltherrschaft, zu diesem Zweck hätten sie schon u.A. 1914 die Morde in Sarajewo inzeniert, die russische Revolution, den Kriegseintritt der USA, den Umsturz vom 9. November 1918 und den Versailler Vertrag. Selbst Mozart und Schiller sollten von der „Tscheka des überstaatlichen Geheimbundes“ ermordet worden sein. Forum für seine abstrusen Theorien bot ihm der Tannenbergbund.
Teile der Verschwörungstheorien fanden breiten Anklang in der Bevölkerung und er wurde eine Art von Nationalheld.
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Die Ideen Ludendorff´s wurden zunehmend von den Nazionalsozialisten ab- gelehnt. Hitler äußerte 1927 bei einer Veranstaltung in Regensburg sogar die Vermutung, Ludendorff sei Mitglied einer Loge.
Während der Nazi-Regentschaft taten sich dann einige Nazigrößen mit mar- kigen Thesen gegen die Freimaurerei hervor, wie z. B.: Göbbels, Himmler, Heydrich, Koch; der Chefideologe Alfred Rosenberg war hier am militan- testen.
Durch Verbreitung zahlreicher rassenideologischer Schriften trug er wesentlich zur Verfolgung und Ermordung unerwünschter Gruppen bei und unternahm gleichzeitig massive Beutezüge unter den Verfolgten, was logisch nicht zusammenpasst.
Übrigens geht unser heutiges Schul- und Hochschulwesen auf ihn zurück, was ihn allerdings in keinem besseren Licht erscheinen läßt.
Rosenberg galt als hochintelligent, was auch am Ende Hitler störte, dem er geistig hoch überlegen war, nichtsdestotrotz waren seine Gedankengänge
dramatisch fehlgeleitet. Er war wahrscheinlich der größte Hasser aller verfolgten Gruppen und hat sie entsprechend vernichtet. Noch im Gefängnis schrieb er:“ Der Nationalsozialismus war eine europäische Antwort auf die Frage eines Jahrhunderts. Er war die edelste Idee, für die ein Deutscher die ihm gegebenen Kräfte einzusetzen vermochte. Er war eine echte soziale Weltanschauung und ein Ideal blutbedingter kultureller Sauberkeit.“
Am 1.3.1942 erhielt er den Führerbefehl, Juden und Freimaurer seien Urheber des 2. Weltkrieges, er habe Vollmacht, deren Büchereien und Archive zu beschlagnahmen.
Mit dem Ermächtigungsgesetz vom 23.Mai 1933 wurden nahezu alle Grundrechte, die den Freimaurern wichtig sind, aufgehoben. Die Freimaurerei wurde nicht direkt verboten, sondern es wurde den Maurern nahegelegt, ihre Logen ordnungsgemäß aufzulösen, was 1935 auch endgültig geschah.
Hier taucht nun der ehemalige Präsident der Reichsbank, Hjalmar Schacht, auf, eine ambivalente Person. Als Banker hochgeachtet, andererseits aber auch verantwortlich für die Inflation 1919, Gustav Stresemann klagte Ende der 20er Jahre: „Das einzig saubere an Schacht ist sein weißer Kragen“. Schacht machte jedenfalls finanziell die Kriegsführung möglich; gegen Ende des
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Krieges fiel er in Ungnade und wurde in einem Konzentrationslager interniert, das er jedoch überlebte.
Hjalmar Schacht war der einzige Freimaurer im Nazi-Regime, er war offen- sichtlich aufgrund seiner fachlichen Eignung nicht zu ersetzen. Er unternahm im Frühjahr 1935 eine Reise zu Hitler auf den Obersalzberg, um ihn wegen der Freimaurerei umzustimmen, was ihm nicht gelang.
Interessanterweise haben die Nazionalsozialisten das Tragen des Vergiß- meinnichts als Anstecker, als Erkennungszeichen der Freimaurer, unbewußt während ihrer Herrschaft geduldet. Ursprünglich ein Erkennungszeichen der Maurer auf ihrem Großlogentreff 1928, wurde das Vergißmeinicht von dem Winterhilfswerks als Bestätigung einer Spende, eher Zwangsspende, einmal verwendet, woraufhin die Freimaurer diesen Pin dauerhaft trugen, mit dem Hinweis, er sei so schön gelungen.
Zum Abschluß noch der Hinweis, dass der Literaturnobelpreisträger Joseph Rudyard Kipling das Hakenkreuz als Symbol des Sonnenrades aus dem Hinduismus in allen seinen Büchern verwendete, dieses aber sofort beendete, als die Nazionalsozialisten an die Macht kamen. Kipling war nachweislich kein Nazi.
Es geschehe also
Im Februar 2009
